Tabula Muta, 2005, Arkanum I, Russ und Kohlestaub auf MDF, je 100 cm x 100 cm

 

 

Arkanum II Asche (Buche) Arkanum III Staub
 


Staubblüte, du unverdauter Stern

Konglomerat aus Gold, Stein und Schmutz
Gewölle aus Horn, Haar und Feder

Staubblüte, du Reliquiar vergessener Zeiten

Genährt mit irdischem Sekret
Gesättigt mit himmlischem Tau

Staubblüte, du Quinta Essentia unseres Seins

Küsse dich wach mit gerissenen Lippen
Omnia ab uno et in unum omnia

Staubblüte, du Larve unserer Seele

Webe dich neu zum Netz meines Denkens
Schwebe zum Licht du kosmischer Samen

Die " Tabula Muta" - ein Arkanum von Staub zu Blüte, Asche zu Phönix und Russ zu Gagat.

Mit dieser Werkgruppe lote ich die Verwebung der poetisch/phonetischen Sprache und der monochromen, visuellen Bildsprache sowie den sinnlich wahrnehmbaren Ur-/Endzustand der Materie aus.
Ein hermetisches Prinzip wird visualisiert und verbalisiert. Die drei Elemente Wort, Bild und Materie, die jede Arbeit beinhaltet, korrespondieren in steter Wechselwirkung untereinander, halten sich die Waage und werden nicht hierarchisch sondern gleichbedeutend betrachtet.

Die «Tabulae Mutae» sind Wortfelder, Bild/Farbfelder und Substanzfelder in einem. Eine künstlerisch-philosophische Wahrnehmungstektonik im Schwebe-zustand von auftauchen, versinken, vergessen, verstauben, erinnern, erahnen....
Im Dialog mit den Substanzen entsteht einerseits eine metapoetische Sprache, andererseits wird durch den meditativen Akt der Gestaltung das Wesen der Substanzen im Bild in Farb und Ausstrahlung sichtbar (kosmischer Bauplan).

Nichts in diesem Universum lässt sich endgültig eliminieren. Biologische und zivilisatorische Ablagerungen wie Russ, Staub, Asche, Schwefel, Salz etc. werden zur Gestaltungsgrundlage der Arbeit.

Eine Dekonstruktion der in der Umgangssprache verwendeten Begriffe wird neu definiert und in der künstlerischen Gestaltung angewendet. Eine neue Ästhetik wird vom Betrachter gefordert , so dass durch die oben erwähnte Wechselwirkung von dem übers Wort gelesenen Bild und dem übers Bild gelesenen Wort sich subtil eine neue Dialektik der Betrachtung ergibt.